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Was ist Homöopathie?

von Natur Total An Nov 06, 2019
Was ist Homöopathie?
Die Homöopathie ist ein bekanntes alternativmedizinisches Verfahren und wird weltweit angewandt. Von der evidenzbasierten Medizin unterscheidet sie sich grundlegend in ihren Vorstellungen über Krankheitsursachen und Behandlung. Sie bezieht sich auf verschiedene Grundsätze, die ihr Begründer Samuel Hahnemann festgehalten und formuliert hat.

Zur Behandlung von Krankheiten werden homöopathische Mittel eingesetzt. Diese beschäftigen sich jedoch nicht nur mit den spezifischen Kriterien der zu behandelnden Krankheit, sondern auch mit vielen unterschiedlichen Aspekten der individuellen Persönlichkeit des Patienten. So entscheiden häufig der persönliche Charakter des Patienten und sein Lebensumfeld weitgehend über die Art der Behandlung, während der Art der Erkrankung mitunter sogar weniger Bedeutung beigemessen wird. Der damit verfolgte ganzheitliche Ansatz richtet sich auf den Patienten als Person aus und zielt darauf ab, dass er auf mehreren Ebenen gleichzeitig gesunden kann. Körper und Geist werden in der Homöopathie stets als Einheit betrachtet, und so lautet die Philosophie, dass der Mensch erst dann Heilung erfährt, wenn seine Seele und sein Körper als Einheit behandelt werden. Diese Philosophie ersetzt keine medizinische Diagnose und ist kein nachgewiesenes Wirkmodell.

Patienten schätzen an der Homöopathie unter anderem ausführliche Diagnosegespräche (Anamnese), eine als sanft empfundene Behandlung und oft niedrige Einzelpreise der Mittel. Der ausführliche Kontakt vom Arzt zum Patienten kann Vertrauen schaffen. Weder dieses Vertrauen noch der Preis beweisen eine spezifische Wirksamkeit; gute Verträglichkeit ist nicht für jedes Präparat garantiert.

Homöopathische Behandlungen werden für viele Erkrankungen und Altersgruppen angeboten. Daraus folgt keine pauschale Wirksamkeit oder Sicherheit. Beschwerden müssen angemessen diagnostiziert werden; eine notwendige evidenzbasierte Behandlung darf nicht unterbleiben oder verzögert werden. Das gilt besonders für Kinder und schwere Erkrankungen.

Die Geschichte der Homöopathie

Als Vater der homöopathischen Heilmittellehre gilt der Arzt und Forscher Samuel Hahnemann (1755 - 1843). Als Ursache von Erkrankungen vermutete er Fehlfunktionen in der Lebenskraft als ordnendem Prinzip. So begann er, nach therapeutischen Ansätzen zu suchen, mit denen die Lebenskraft gestärkt werden könne, damit am Ende die Krankheit besiegt würde.

Aus Selbstversuchen und der Beobachtung seiner Patienten leitete Hahnemann die Annahme ab, stark verdünnte Arzneien und Gifte könnten Beschwerden behandeln, die sie bei Gesunden hervorrufen. Damit begründete er den Kern seiner Lehre und formulierte den Leitsatz, dass "Ähnliches mit Ähnlichem" geheilt werden solle. Dieser ist bis heute als Ähnlichkeitsprinzip bekannt; die historische Annahme ist kein klinischer Wirksamkeitsbeleg.

Beispielsweise wird das Mittel Belladonna aus der Tollkirsche (lat. Atropa belladonna) gewonnen und in der Homöopathie bei Fieber eingesetzt; daraus folgt kein Wirksamkeitsnachweis. Eine Tollkirschenvergiftung kann unter anderem Überwärmung, Verwirrtheit und gefährliche Herz-Kreislauf-Störungen verursachen. Diese neuartige Lehre fand sowohl vehemente Gegner als auch Befürworter und Anhänger. Zur damaligen Zeit waren Medikamente rar, und in ihrer Dosierung häufig giftig für den Patienten. In Indien wurde die Lehre der Homöopathie adaptiert und findet bis heute Anwendung im Gesundheitssystem.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern wurde die Homöopathie kontrovers aufgenommen. Skeptische Wissenschaftler forderten Beweise des Wirkprinzips. Zu ihren Anwendern gehörten Ärzte ebenso wie Laienheilkundige ohne ärztliche Ausbildung; die Berufsgruppe allein belegt oder widerlegt keine Wirksamkeit.

Forschungsförderung, etwa durch die Karl-und-Veronica-Carstens-Stiftung, und die Befassung einzelner Universitäten mit der Homöopathie sind keine Wirksamkeitsbelege. Auch die Ausbildung von Therapeuten und Berichte über erfolgreiche Selbstbehandlung ersetzen keine geeigneten kontrollierten Studien. Das Ähnlichkeitsprinzip ist eine Lehre, kein nachgewiesener Wirkmechanismus. NCCIH und EASAC begründen keine zweifelsfrei nachgewiesene krankheitsspezifische Wirksamkeit; die pauschale Behauptung, ein Placeboeffekt sei widerlegt, ist nicht gerechtfertigt.

Für Rhinitis allergica (Heuschnupfen), Diarrhö (kindliche Durchfälle), ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) oder Ileus nach einer Operation lässt sich aus den hier genannten Quellen keine Gleichwertigkeit homöopathischer Mittel mit wirksamer Standardbehandlung ableiten. Kindliche Durchfälle können zu Austrocknung führen; ein Verdacht auf Darmverschluss oder eine schwere postoperative Darmfunktionsstörung erfordert unverzügliche medizinische Abklärung. Homöopathie darf diese Versorgung nicht ersetzen.

Erfahrungsberichte aus den letzten 200 Jahren können persönliche Beobachtungen beschreiben, aber weder natürliche Krankheitsverläufe noch Begleitbehandlungen und Erwartungseffekte zuverlässig ausschließen. Ein allgemeiner Heilbeitrag bei akuten oder chronischen Krankheiten, eine Entlastung des Gesundheitssystems oder generell bessere Verträglichkeit ist damit nicht belegt. Auch als homöopathisch bezeichnete Mittel können wirksame Bestandteile und Risiken enthalten. Entscheidend bleiben eine passende Diagnose, geprüfte Behandlung und die rechtzeitige ärztliche Beratung.
Stichworte: Homöopathie
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