Bei Atemnot, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder Kreislaufkollaps sofort 112 rufen. Bei einer vermuteten Überdosierung ohne solche schweren Symptome ist der Giftnotruf die passende Anlaufstelle für eine konkrete Einschätzung. Nicht erst auf eine vollständige Symptomliste warten. [1]
Die Situation beschreiben, statt selbst eine Grenzdosis zu suchen
Die Beurteilung hängt unter anderem von Inhaltsstoffen, Menge, Aufnahmezeit sowie Alter und Gewicht ab. Eine einzelne zusätzliche Tablette ist nicht bei jedem Produkt gleich zu bewerten. Sichern Sie Verpackung und Zutatenliste und notieren Sie die mutmaßlich eingenommene Menge. [1]
Bei unklarer Einnahme durch ein Kind sollte früh fachlicher Rat eingeholt werden. Eisenhaltige Präparate können bei versehentlicher Überdosierung besonders gefährlich sein. [2] Der freundliche Produktname oder die Form als Gummivitamin sind keine geeigneten Kriterien zur Entwarnung.
| Situation | Nächster Schritt | Nicht tun |
|---|---|---|
| Schwere akute Symptome | 112 anrufen und den Anweisungen folgen | Die Hilfe durch eigene Recherchen verzögern |
| Unklare oder versehentlich große Einnahme | Giftnotruf mit der Packung kontaktieren | Aus Beschwerdefreiheit Sicherheit ableiten |
| Mehrere Präparate länger kombiniert | Gesamtmengen und Beschwerden ärztlich prüfen lassen | Nur die zuletzt gekaufte Packung betrachten |
| Weitere Einnahme unklar | Bis zur Klärung keine zusätzliche Supplementportion | Eine vermutete Fehlmenge durch Gegenmittel ausgleichen |
Keine Hausmittel zur vermeintlichen Entgiftung
Erbrechen nicht auslösen. Milch, Salzwasser und eigenständig eingesetzte Aktivkohle sind keine allgemein geeigneten Gegenmaßnahmen; Aktivkohle nur auf fachliche Anweisung verwenden. [1] Einer bewusstlosen Person darf nichts eingeflößt werden. Folgen Sie den telefonischen Erste-Hilfe-Anweisungen.
Akute Verwechslung und langfristig zu hohe Zufuhr unterscheiden
Eine versehentlich verschluckte Menge ist ein anderes Problem als das monatelange Kombinieren mehrerer Präparate. Für die Beratung braucht es deshalb nicht nur die Zahl der Tabletten, sondern auch die Häufigkeit und Dauer. Eine Online-Liste kann nicht entscheiden, ob Ihre Beschwerden tatsächlich auf eine Überdosierung zurückgehen.
Als eigene Vorbereitungshilfe schreiben Sie für jedes Produkt die Tagesportion und die einzelnen Nährstoffmengen ab. Achten Sie auf Milligramm und Mikrogramm: Ein Milligramm entspricht 1.000 Mikrogramm. Diese Umrechnung hilft beim Beschreiben, liefert aber keine sichere Vergiftungsgrenze.
Nach der Klärung Verwechslungen vermeiden
Belassen Sie Ergänzungen in erkennbaren Verpackungen und bewahren Sie sie kindersicher auf. Halten Sie Änderungen in einem gemeinsamen Einnahmeplan fest. Bei ärztlich verordneten Arzneimitteln fragen Sie gezielt nach dem weiteren Vorgehen, statt sämtliche Behandlungen pauschal abzusetzen.
Häufige Fragen
Ist Beschwerdefreiheit nach Einnahme eine sichere Entwarnung?
Nein. Lassen Sie eine unklare Menge anhand des konkreten Produkts beurteilen.
Soll ich Erbrechen auslösen?
Nein. Das kann zusätzliche Komplikationen verursachen.
Wann gilt 112 statt einer normalen Beratung?
Bei schweren akuten Symptomen wie Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Krampfanfällen.
Welche Angaben benötigt der Giftnotruf?
Unter anderem Produkt und Zutaten, vermutete Menge, Zeitpunkt, Alter, Gewicht und aktuelle Beschwerden.
Weiterlesen
Magnesium und Überdosierung und Tagesportionen verschiedener Präparate vergleichen.
Quellen
- gesund.bund.de: Erste Hilfe bei Vergiftungen und Giftnotrufstellen
- NIH ODS: Eisen und Überdosierungsrisiken
Redaktionell überarbeitet: 29. September 2026. Notfallorientierung für Deutschland und die EU; ersetzt keine individuelle Vergiftungsberatung.