Ein Präparat, das zugleich Prostata, Hormone und Herz unterstützen soll, verbindet sehr unterschiedliche Erwartungen. Für eine sinnvolle Entscheidung sollten Beschwerden, Diagnose und gewünschter Nutzen zunächst getrennt beschrieben werden.
Was TRAVERSE tatsächlich untersuchte
Die 2023 veröffentlichte TRAVERSE-Studie untersuchte 5.246 Männer zwischen 45 und 80 Jahren mit Symptomen, wiederholt niedrigen Testosteronwerten und bestehender oder erhöhter Herz-Kreislauf-Gefährdung. Verglichen wurden Testosterongel und Placebo. Beim primären kombinierten Herz-Kreislauf-Endpunkt erfüllte die Behandlung das Kriterium der Nichtunterlegenheit. [1]
Das bedeutet nicht, dass Testosteron Herzkrankheiten verhindert. Vorhofflimmern, akute Nierenschädigung und Lungenembolien wurden unter Testosteron häufiger beobachtet. Die Ergebnisse gelten zudem nicht automatisch für gesunde Männer mit normalen Werten, beliebige Anwendungsformen oder pflanzliche „Booster“. [1]
| Thema | Was geklärt werden muss |
|---|---|
| Prostata und Wasserlassen | Welche Ursache haben die konkreten Beschwerden? |
| Testosteron | Passen Symptome und wiederholt erhobene Befunde zusammen? |
| Herz-Kreislauf-Risiko | Welche persönliche Vorgeschichte und welche Behandlungsrisiken bestehen? |
| Kombinationspräparat | Gibt es passende Nachweise für genau dieses Produkt und Ziel? |
PSA und Testosteron sind keine austauschbaren Werte
PSA wird von Prostatazellen gebildet. Erhöhte Werte können unter anderem bei gutartiger Vergrößerung, Entzündung oder Krebs vorkommen. Ein PSA-Wert allein liefert daher weder die Ursache noch eine Aussage, dass ein Testosteron-Booster sinnvoll wäre. [2]
Ebenso wenig beweist besseres subjektives Wohlbefinden, dass sich Prostata oder Herzrisiko verbessert haben. Ein persönlicher Eindruck und ein medizinischer Endpunkt sind unterschiedliche Beobachtungen.
Eine gemeinsame Übersicht, getrennte Entscheidungen
Für den Arzttermin können Sie Beschwerden beim Wasserlassen, Energie, Sexualfunktion, vorhandene Laborwerte und sämtliche Medikamente nebeneinander notieren. Die Übersicht erleichtert das Gespräch, legt die Behandlung aber nicht fest. Auch Ergänzungen gehören hinein.
Wer gar keinen Urin mehr lassen kann, Blut im Urin bemerkt oder schmerzhafte Beschwerden mit Fieber und Schüttelfrost hat, sollte umgehend medizinische Hilfe suchen. Ein Nahrungsergänzungsmittel ersetzt diese Abklärung nicht. [3]
Häufige Fragen
Beweist TRAVERSE einen Herzschutz durch Testosteron?
Nein. Nichtunterlegenheit bei einem bestimmten Endpunkt ist kein Vorbeugungsnachweis.
Gelten die Ergebnisse auch für pflanzliche Booster?
Nein. Untersucht wurde eine konkrete medizinische Behandlung.
Kann ein PSA-Wert den Grund von Beschwerden allein erklären?
Nein. Er ist Teil einer individuellen Beurteilung.
Ist ein Mittel für drei Organsysteme automatisch sinnvoller?
Nein. Jedes versprochene Ziel benötigt passende Nachweise und eine Sicherheitsbewertung.
Weiterlesen: Ernährung und Prostata und Magnesium und Testosteronstudien.
Quellen
[1] Lincoff et al., NEJM, 2023: TRAVERSE. [2] National Cancer Institute: PSA-Test. [3] NIDDK: Enlarged Prostate. Quellen im Text; redaktionell geprüft am 29. September 2026. Keine individuelle Hormon- oder Herztherapie.